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Amtsärztliche Überprüfung, Heilpraktiker für Psychotherapie, Sachsen/Löbau

Am 24.5.2012, HL, Bestanden im 2. Anlauf.

Das Prüfungskomitee bestand aus Hr. Dr. med. Zisch (Amtsarzt),
Einer Psychotherapeutin und einem Heilpraktiker.
Beim reinkommen sind alle aufgestanden und haben mit Handschlag begrüßt.

Frage: Was verstehen sie unter Wahn?
Antwort: Eine inhaltliche falsche, nicht korrigierbare, lebensbestimmende, ich-bezogene, isolierte Überzeugung.
... (schweigen, das wolten sie nicht hören). Begriffe?
Antwort2: eine inhaltliche Denkstörung, eine überwertige Idee oder ein Zwang
... (schweigen), auch nicht befriedigend (und nicht ganz richtig)).
Antwort3: Symptomatik, die sich z.B. bei Schizophrenie von diffusen ängstlichen Stimmungen über Wahnideen und Wahnwarhnehmungen bis zu einem systematisierten Wahn "auswächst" und immer mehr Raum im Leben des Patienten einnimmt.
... (schweigen), reicht nicht, fehlen noch Begriffe. Wir machen das mal anders herum. Frage: Was heißt Wahngedanke?
Antwort: ein wahnhafter Gedanke, der aus dem nichts kommt, ohne konkreten Anlass. z.B., nicht in die Flasche da drüben hineingedeutet wird im Unterschied zur Wahnwahrnehmung.
... (ich sehe, wie ein f für Falsch notiert wird, warum weis ich nicht)

Frage: Was ist ein Symbiotischer Wahn?
Antwort: Eine Folie á deux gibt es in der Situation, wenn ein Partner oder nahe stender Mensch die Ansichten eines wahnhaft Kranken übernimmt; sich aber davon distanzieren kann, wenn er nicht mehr mit dem Kranken zusammen ist.

Frage: Was heist Wahndynamik?
Antwort: Die Entwicklung einer Wahnkrankheit von diffusen Stimmungen über Wahngedanken und Wahnwahrnehmungen bis zu systematisiertem Wahn.
... (da lag ich definitiv falsch. Es ist die affektive, gefühlsmäßige Ladung mit der der Wahn vom Patienten belegt wird.)

Fall, Vorstellung durch die Psychologin:
Ein 40-Jähriger Mann will kurzfristig einen Termin weil er nicht weiter weiß. Arbeit verloren, Frau ist weg, er ist ratlos.

Anamnese:
Niedergerückte Stimmung? ja.
Antriebsminderung? Ja, hat früher mehr gemacht.
Kann er sich über dinge Freuen? im Moment nicht.
Schlafverhalten? Einschlaf und Durchschlafstörungen.
Apetit? normal
Gewicht? normal
Angst? unauffällig, Zukunftsangst
Zwang? keine
Orientierung? voll
Bewußtsein? klar
(im Hinterkopf die anfänglichen Gedanken an Depression passen nicht, auch wenn eindeutig depressive Symtome vorhanden sind)

Seit wann ist Arbeit und Frau weg? Arbeit letzte Woche, Frau am Wochenende.
(ich denke an Anpassungsstörung und frage weiter, der vollständigkeit halber)

Wwie ist das Konsumverhalten bezüglich Alkohol? normal, so wie die anderen.
Was heißt das? Na ja, ein Feierabendbier.
Bleibt es bei einem oder auch mehr? So 5-6 können es schon sein.

Warum habt er die Arbeit verloren? Wegen Alkohol.
Warum ist die Frau weg? Sie hat das mehrfach angekündigt, dass sie so nicht mehr will und die ständig kontrolle sei nicht mehr auszuhalten.
Führerschein? Vorhanden.
Entzugserscheinungen; hat er in letzter Zeit mal nichts getrungen? Dazu gab es keinen Anlass. Morgens hat er aber öfter Kopfschmerzen. (also ja)
Kontrollverlust; Kennt er das, das er mehr trinkt als im gut tut? Vollrausch kommt vor.
Craving/Verlangen und Weitertrinken trotz negativen Folgen kann ich unterstellen sage ich. Also ist eine Alkoholabhängigkeit klar.

Ich frage weiter nach
Organischen Krankheiten? Hyptertonie.
Medikamente? Blutdruck senkende.
Sonst? nichts
Halluzinationen/Hört er Stimmen? Nein. Sieht er kleine helle Tiere? Nein.
Diagnose: Alkohol-Abhängigkeit! Und mit der gegenwärtigen Lebenssituation hat er eine Anpassung zu leisten.

Frage: Differenzdiagose?
Anpassungsstörung. Die Diagnose eine Anpassungstörung ist aber nachrangig, da der Alkohol das Hauptproblem ist.
Wahn (den hatte ich bisher nicht weiter erfragt, obwohl er doch da sein sollte und die Frau über Kontrollen geklagt hatte)

Was meint die Frau mit Kontrollieren? Er hat ihr nachgeforscht und z.B. die Km-Stände des Fahrzeug kontrolliert, ob sie Fahrten verheimlicht.
Hat er was gefunden? nein.
Haben andere über Fremdgehen der Frau mit ihm gesprochen? nein.
Hat er sie inflagranti erwischt? nein.
Aber er ist überzeugt, das sie fremd geht? JA

Weitere Diagnose: Eifersuchtswahn bei Alkoholkrankheit.

Frage: Was müssen sie noch fragen?
Antwort: Ob er schon mal daran gedacht hat, sich das Leben zu nehmen? Ja

Ich sage, dass ich Suizidalität genauer abfragen muss. Die Prüferin sagt, da dürfen sie nicht so vorsichtig sein, sondern müssen mit der Tür ins Haus fallen. Ich stimme zu und begründe das damit, das er ja gleich zu mehreren Risikogruppen zählt, als alleinstehender Mann mit Suchtproblematik in einer schweren Anpassungskrise mit depressiven Symptomen.

⇒ Sie haben bestanden.

Nachbemerkung: Ein Stein fällt mir vom Herzen. Die Stimmung in diesem Prüfungsausschuss war für mich deutlich angenehmer als im letzten Herbst unter der Leitung von Herrn Dr. Vahl.