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Prüfungsprotokoll

Mündliche Überprüfung
zum HP für Psychotherapie
am 24.05.2012 im Gesundheitsamt Löbau

B.R., Bestanden im 2. Anlauf

Prüfungskommission: Amtsarzt, Fachärztin für Psychiatrie, Heilpraktiker

Die Atmosphäre beim Hereinkommen in den Prüfungsraum (ein anderer als beim 1. Mal) empfand ich als angenehm, alle Anwesenden kamen um den breiten Tisch herum mir ein Stück entgegen, um mich zu begrüßen, dann durfte ich ihnen gegenüber Platz nehmen.

Der Amtsarzt übergab mit den Worten „als erstes machen wir das Fallbeispiel“ gleich an die Ärztin, welche mir dann folgende Fakten nannte:

- eine Frau erscheint in der Praxis, Jahrgang 1984

- sie hatte eine Mutter-Kind-Kur beantragt, welche abgelehnt wurde

- der Caritas-Verband gab ihr (wegen des Abratens) den Hinweis: sie sollte erst einmal etwas für sich selbst unternehmen

- sie erscheint ratlos und bittet um Hilfe

Meine Frage: warum hatte sie eine Kur beantragt?

- weil sie so reizbar ist, auch zu ihren Kindern. Sie hat 2 Kinder – das ältere ist 7 Jahre alt, das jüngere Kind 1 ½ Jahre

- sie fühlt sich rasch genervt, empfindet Lustlosigkeit und hat auch das Gefühl, für ihre Kinder nicht wirklich etwas zu empfinden

Frage: war sie schon einmal beim Arzt, wegen einer körperlichen Untersuchung – ob es da irgendetwas gibt? Ja – war sie – ist alles ok.

Frage: seit wann sie diese Schwierigkeiten hat?

- es geht schon eine längere Zeit, eigentlich begann es schon nach der Geburt des 1. Kindes

- das jüngere Kind ist so oft erkältet

Fragen (hin-und-her mit Antwort):

Hat sie in ihrer Vergangenheit irgendwelche Erkrankungen (körperlich, psychisch) gehabt? Nein.

Wie ist es mit ihrem Schlaf? Kann sie gut schlafen? Naja, sie wacht morgens sehr zeitig auf, ca. gegen 5 Uhr – obwohl sie erst viel später aufstehen müsste.

Wie ist ihr Essverhalten / ihr Appetit? Das ist normal, weder zu viel noch zu wenig.

Nimmt sie Medikamente? Nein.

Der Vollständigkeit halber – wie ist es mit ihrem Alkoholkonsum? Sie trinkt nicht (kaum).(Vollständigkeitshalber -> Drogen etc. auch nicht)

Wie sitzt sie vor mir – ist sie klar oder verwirrt? Sie ist bewusstseinsklar.

Wenn ich sie nach Namen, Ort etc. frage – wie antwortet sie? Sie ist allseits orientiert.

Ihr Reden (Sprache) ist im Verlauf / Tempo unauffällig.

Keine Halluzinationen / keine Ich-Störungen / keine inhaltlichen Denkstörungen / Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit sind ok.

Frage nach Partnerschaft: hat einen Partner, dieser Mann arbeitet auf Montage, ist ca. 20 Tage im Monat weg.

Kennt sie solche Phasen der Lustlosigkeit und dieser etwas gedrückten gereizten Stimmung von sich selbst aus ihrer Vergangenheit? Ja, das kennt sie, ist immer mal.

Sie hatte vor ca. 3 Monaten ihre Arbeit verloren. Ihre Mutter unterstützt sie bei der Betreuung der Kinder.

Sie hat die Hilfe durch ihre Mutter, hat aber als Kind eine noch engere Beziehung zu ihrer Großmutter gehabt. Diese starb auf ungewöhnliche Weise – sie verbrannte in ihrer Wohnung – das stand damals auch in der Zeitung… beim Erzählen dieser Geschichte fängt sie an zu weinen.

Als Kind war sie eher ruhig und zurückhaltend.

Frage nach meinen Vermutungen: ich sage, ich habe im Hinterkopf Persönlichkeitsstörung, allerdings auch die Reaktion auf schwere Belastungen und depressive Störung.

Frage nach der Beziehung Vater – Kinder: haben die Kinder den gleichen Vater? Nein. Der Vater des 1. Kindes trank viel Alkohol, wurde auch aggressiv. Der Vater des kleinen Kindes ist ein lieber Mann. Dazwischen hatte sie noch 2 Beziehungen, darunter waren auch Männer, die Alkoholprobleme hatten. Die Beziehungen dauerten jeweils ungefähr so etwa 2 Jahre.

Frage: Was hat sie für Gedanken / Gefühle , wenn sie an ihre Zukunft denkt? Sie meint, sie möchte gern eine gute Mutter sein. Sie hat auch mit ihrem Mann darüber gesprochen: dass sie lieber zu Hause bleiben möchte und für die Kinder da sein möchte, sie möchte nicht arbeiten gehen.

Ich fasse zusammen mit der Meinung, hier liegt eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vor, impulsiver Typ. Ausschlaggebend sind der frühe Beginn der Schwierigkeiten, die gereizte und wechselhafte Stimmung über einen so langen Zeitraum, sowie die schnell wechselnden Beziehungen und das Gefühl der Leere / Gefühllosigkeit.

Wechsel auf eine andere Ebene – Fragen durch den Amtsarzt:

Was sind formale Denkstörungen?

Habe ich erklärt: Störungen des Denkens, die den Ablauf und die Struktur betreffen – welche sich dann wiederum in der Sprache ausdrücken. Ich zählte auf: dazu gehören z.B. die Denkverlangsamung, das Gedankenabreißen, Ideenflucht und Neologismen.

Frage: Was sind Neologismen?

Das sind quasi Wortneuschöpfungen, also ausgedachte Wörter die es nicht wirklich gibt. Was z.B. bei der Schizophrenie häufig vorkommt.

So, wieder ein Wechsel zu einem anderen Bereich – Was ist im Heilpraktikergesetz enthalten?

Ich habe die Definition wieder gegeben: wer … und dann noch die DVO erwähnt und deren Inhalt.

Dann durch den Amtsarzt: ich breche jetzt hier ab…( Pause) … bestanden

Ich war so perplex, dass ich nur: … danke... Tschüß … sagen konnte