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Amtsärztliche Überprüfung, Heilpraktiker für Psychotherapie, Sachsen/Löbau

Erinnerungsprotokoll, SB, 8.12.11:

- Welche Therapieverfahren außer Hypnotherapie (hier habe ich Zusatzausbildung gemacht) wollen Sie anwenden, wenn Sie die Prüfung hier geschafft haben?
Antwort: Verhaltenstherapie, Gesprächspsycho- und Kurzzeittherapie sowie Entspannungsverfahren, am liebsten natürlich schon präventiv ...

- Wie therapieren Sie tiefgreifende Entwicklungsstörungen?
Antwort: dafür gibt es keine Therapie in dem Sinne, dass die Störung völlig behoben wird, es gibt aber Verhaltenstherapie, Familientherapie, Kunst-, Musiktherapie, Sprach- und Lernförderung, Logopädie um Verbesserung des sozialen Verhaltens, die Fähigkeit der Kontakaufnahme zu Gleichaltrigen
zu verbessern und die Familien bei der Bewältigung u. Umgang mit dieser Störung zu unterstützen.

- Welche tiefgreifenden Entwicklungsstörungen kennen Sie?
Antwort: Frühkindlicher Autismus, Asperger Syndrom, Rett-Syndrom

- Wie sehen die Symptome aus?
Antwort: Schwierigkeiten in Kommunikation und Beziehungen, kaum Fähigkeit mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen oder zu spielen, wenig Blickkontakt, benötigen keine emotionale Zuwendung, sind gefangen in eigener Welt, Störungen bei der Sprachentwicklung, allerdings nicht beim Asperger-Syndrom, dort Sprach- fähigkeit meist besser, dort sind zum Teil auch Hochbegabungen in bestimmten Bereichen möglich, beim Rett-Syndrom ist ab einem bestimmten Stadium überhaupt keine normale Entwicklung möglich ...
Hier wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass dies noch nicht alles ist ...
Ich erklärte dann, dass ich tiefgreifende Entwicklungsstörungen auch nicht behandeln würde.
Antwort des Amtsarztes: Sie wissen aber schon, dass diese Kinder auch zu Ihnen als Heilpraktiker kommen!

- Fallbeispiel von Fachärztin:
Mutter kommt mit 21jährigem Sohn, der in letzten Wochen sich immer mehr zurück zieht, nur noch wenig spricht, keine Kontakte mehr hat und auch nicht wünscht, auch die Bemerkung machte, es hat eh alles keinen Sinn mehr macht und ist zwecklos, nicht mehr zur Ausbildung geht, nur noch in seinem Zimmer vor dem PC sitzt, wenn er vor die Wohnungstür gehe dann hat er Brech- und Würgereiz.

Habe die verschiedensten Störungen ausgeschlossen, angefangen bei Nachfragen nach Suizidalität - wurde verneint, nichtstoffgebundene PC-Sucht, Essstörungen: Frage nach Essverhalten, Gewichtsabnahme etc. -
wurde verneint, bin dann ein wenig bei der hebephrenen Schizophrenie hängen geblieben, habe nach seinem Denkverhalten und Benehmen u. Ausdruck gefragt, hatte mich da wirklich etwas im Kreis gedreht, dann viel mir ein, dass ich Drogen- bzw. Alkoholkonsum noch nicht abgefragt habe. Das wollte ich dann am besten mit einer Fremdanamnese tun. Hier fragte die Ärztin warum Fremdanamnese? Ich meinte, dass ich wohl von dem jungen Mann keine realistische Antwort über den wirklichen Konsum erhalten werde.
Darauf wurde ich gefragt, wen ich denn da bei Fremdanamnese befrage? Ich sagte, dass ich dazu die Mutter befragen werde, natürlich vorher das Einverständnis von dem jungen Mann einhole und das Gespräch
mit der Mutter auch mit ihm gemeinsam führen werde, wg. Vertrauensverhältnis.
Darauf die Ärztin: da bin ich aber mal gespannt, wie Sie das anstellen wollen - Sie haben nämlich die Mutter überhaupt nicht 'rausgeschickt.
Da wurde mir klar, dass ich das "Rollenspiel" zu Beginn des Fallbeispiels nicht perfekt gespielt habe. Ich erklärte dann, dass ich es in der Praxis auf jeden Fall so machen würde, dass ich mit dem Klienten allein arbeiten, also vorher die Mutter raus schicken, würde bzw. ihn fragen, ob er einverstanden ist, dass die
Mutter während des Gesprächs dabei bleibt.
Da meinte die Ärztin: so das wars dann wohl jetzt - in Richtung Amtsarzt und Heilpraktiker.
Dann wurde ich erst mal rausgeschickt und mir anschließend mitgeteilt, dass ich nicht sicher genug sei, etc. ...

Wärend der gesamten Runde wurde ich immer wieder nach der genauen ICD10-Definition, bei den Ausschlussdiagnosen gefragt. Ich hatte ständig das Gefühl nicht schnell genug zu sein, weil sehr schnell gefragt wurde "was noch, wie steht es in der ICD 10 ..." usw.