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Mündliche amtsärztliche Überprüfung für "Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie" in Löbau/Sachsen

am 8.12.11 (HL)

Prüfer: Amtsarzt Herr Dr. Fahl, eine Fachärztin, ein Heilpraktiker, Frau Keil (Sekretariat).

Strenge, sachliche Stimmung; Brücken wurden angeboten;
Ergebnis: Durchgefallen.

Frage-1
Was wollen sie machen, wenn sie morgen Psychotherapeutischer Heilpraktier sind?
- Ich möchte als ... arbeiten weil ... ich Leiden lindern möchte. Dafür brauche ich laut HPG eine Erlaubnis.

Frage-2
Welche tiefgreifenden Entwicklungsstörungen kennen sie?
- Frühkindlichen Autismus
- Asberger-Syndrom
- ... (nachdenk) da fehlt noch einer, der irgendwie dazwischen liegt und mir gerade nicht einfällt.

Frage-3
Beschreiben sie Autismus?
- Sind Kinder, die sehr in sich zurückgezogen sind, von der Außenwelt abgeschlossen, keine Empathie und Zuneigung kennen und auch dementsprechend nicht äußern können. Bei Kleinkindern fehlt das soziale Lächeln. Die Kontaktaufnahme ist ritualisiert. Beim Asberger-Syndrom ist die Intelligenzentwicklung normal/unauffällig, beim frühkindlichen Autismus ich auch mit einer Intelligenzminderung zu rechnen und die Entwicklung in mehreren Bereichen, z.B. Sprache, Artikulation, Intelligenz verzögert. Es gibt auch Bewegungsstörungen.
- ...(mehr fiel mir nicht ein; es hätten "alle Bereiche" v.a. Verhaltensstörungen und Kommunikationsstörungen als Stichworte kommen sollen)

Frage-4
Differenzdiagnose bei (Frühkindlichem) Autismus?
- Intelligenzminderung, Bewegungsstörungen (genauer genommen hätte ich Tic-Störungen sagen sollen), organische Ursachen wie z.B. Röteln der Mutter in der Schwangerschaft oder Erbliche Faktoren wie Downsyndrom müssen (von Anderen/Ärzten) ausgeschlossen werden.
- Störungend der Affektivität / Kindliche Neurosen hatte ich falsch gesagt, aber nach Stirnrunzeln zurück genommen.
- ... (mehr fiel mir nicht ein; es sollte noch "Umschriebene Entwicklungsstörungen" kommen)
- Bei dieser Frage konnte ich nach schieben, dass bei Frage-2 der "Atypische Autismus" fehlt, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die Entwicklung zunächst unauffällig verläuft und das Kind dann später autistische Symptome zeigt. (Es hätte noch kommen müssen, das beim atypischen Autismus im Gegensatz zum Frühkindlichen nicht alle drei Funktionsbereiche betroffen sein müssen)

Frage-5
Wie therapieren sie frühkindlichen Autismus?
- Die Eltern unterstützen, mich über die Krankheit mehr informieren und die Eltern entsprechend instruieren; Struktur, Sicherheit, Geborgenheit und Halt geben; Geduldig mit dem Kind in kleinen Schritten üben z.B. bei Motorik und Sprache/Artikulation ...
(fasel ich mir zurecht. Ich muss zugeben, dass die Therapeutische Arbeit mit autistischen Kleinkindern nicht zu meinem Tätigkeitsfeld gehört und ich um eine zweite Chance bitte, da mein Fokus eindeutig bei Erwachsenen liegt. Ich muss kurz raus und mir wird eine zweite Chance gewährt.)

Frage-6
Wie therapieren sie Zwangsstörungen?
- Zwangsstörungen galten aus psychoanalytischer Sicht als unbehandelbar. Heute kann mit Kombination von Psychopharmaka und Verhaltenstherapie oft geholfen werden.
- Expositionstraining mit Reaktionsverhinderung; Psychoedukation; Förderung des Selbstwertgefühls; (vielleicht hätte ich noch "Umgang mit den Symptomen" sagen sollen, war aber ok)

Frage-7
Welche Gefahren?
- Je nach Zwangshandlung (z.B. Waschzwang: Hautschäden); Beeinträchtigung von Beruf und Alltag durch zunehmenden Zeitaufwand für die Zwangshandlung; Unfälle durch Verheimlichung von Zwangshandlungen; .... (lange Pause, mehr fiehl mir zunächst nicht ein).
- ... (Die Fachärtzin wörtlich: "Weiter, das muss jetzt wie aus der Pistole geschossen kommen")
- Suizidalität. (Rückfrage: warum?) da Zwangsstörungen häufig mit Depression komorbid auftreten. (Einwurf: sie wissen es nicht sicher!)
... (ENDE, Durchgefallen)

Im Nachgespräch
wurde vom Amtsarzt noch mal betont, das ein Heilpraktiker aus ihrer Sicht nur dann keine "Gefahr für die Volksgesundheit" darstelle, wenn er "jeden Behandeln" kann.
Beim Autistischen Kind wurde auf Stichworte gewartet wie: Frühförderung, Wahrnehmungsschulung, Gebärdenausdruck, Visuelle Strukturieren, Beziehungstherapie und Musiktherapie. Ich hatte nicht gedacht, so detaillierte Therapiekenntnisse für Kleinkinder aufweisen zu müssen.
Beim Zwang hatte ich zwar von Suizidgefahr gesprochen, aber von Komorbidität mit Depression, was Falsch war. Zu Zwangsstörungen gehören depressive Symtome dazu (also eine gravierende Wissenslücke).

Also in Löbau muss man vom demenzkranken alten (Prüfung vor mir) bis zum autistischen Kleinkind für jeden angemessene Therapieformen inhaltlich kennen.
Von den 7 Prüflingen, die ich heute Vormittag gesehen habe, sind 4 durchgefallen. Die einzige bestandene war im 3. Durchlauf.
Ich kenne noch mehr, die aufgrund fehlender Kenntnisse in Therapieformen, die sie nicht anwenden wollen, in Löbau durchgefallen sind. Wo da die Gefahr für die Volksgesundheit liegen soll, bleibt für mich schleierhaft. Nach der Prüfung habe ich mich über das seichte Gelaber in Prüfungsvorbereitungskurs bei Paracelsus geärgert, der mich viel zu wenig auf die Anforderungen der Prüfung vorbereitet hat.